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Die unerwartete Zuwendung

Cora, Leon, Mefi. Drei Menschen und ihre Geschichte. Bei einem wendet sich das Blatt überraschend zum Guten.

Bild: Photocase/peperjam Rolf Höneisen

Cora, Leon, Mefi. Die Geschichte dieser drei Menschen hat mich bewegt. Coras Geschichte dauerte 23 Jahre. Sie starb nach der 6. Operation zur Brustvergrös­serung.

Leons Geschichte dauerte acht Wochen. Dann wurde er erstickt.

Mefi war seit einem Unfall im Kindesalter gelähmt. Seine Geschichte nahm eine unerwartete Wende. Wie sie ausging, das steht in der Bibel, im 2. Buch Samuel, im 9. Kapitel.

Der tiefe Fall des Königssohns
Mefi-Boschet, ein Sohn Jonathans, wuchs während fünf Jahren im Königspalast auf. Er hätte später König werden können. Aber es kam alles ganz anders. Sein Grossvater, König Saul, stand im Kampf mit David. Wiederholt hatte Saul David zu töten versucht. Ein Machtkampf tobte.

Schliesslich – Mefi ist 5-jährig – kommt es zum Putsch! Saul und Jonathan fallen im Kampf, während der kleine Mefi zu Hause, im Palast, am Spielen ist. Plötzlich stürzt ein Bote herein. Keuchend, schweissnass, mit vor Angst weit aufgerissenen Augen rennt er am Jungen vorbei. Kurz darauf hört Mefi Schreie und er sieht, wie Menschen in panischer Angst fliehen! Der Junge versteht das nicht. Er gerät in Panik und schreit. Plötzlich wird er von hinten gepackt. Eine Frau klemmt ihn unter den Arm, rennt mit ihm davon. Schnell weg – in die Berge! Achtung   Stufe! Sie stolpert, er fällt. Der Junge schreit auf vor Schmerz und verstummt. Mefi kann seine Beine nicht mehr bewegen. – So stelle ich mir die Situation vor, die in 2. Samuel 4,4 nur knapp beschrieben ist:
«Sauls Sohn Jonathan hatte einen Sohn namens Mefi-Boschet, der an beiden Beinen gelähmt war. Er war fünf Jahre alt, als die Nachricht vom Tod Sauls und Jonathans aus Jesreel eintraf; da nahm die Amme das Kind und floh. Doch in der Eile stürzte sie und liess ihn fallen und seitdem war er gelähmt.» (Übers. Neues Leben)

Der Königssohn ist gefallen. Mefi-Boschet hat den Vater verloren, ist schwer behindert, lebt versteckt, ist enterbt und ausgeschlossen von der Herrschaft, wird verfolgt und gedemütigt wegen der Schande seiner Familie. Mefi-Boschet heisst «Verbreiter der Schande». Er hat alles verloren, auch seine Würde. An beiden Füssen gelähmt zu sein, bedeutete in jener Zeit – wenn’s gut ging – gehen an Krücken, wenn’s schlecht ging, kriechen am Boden.

Inzwischen ist Mefi erwachsen. Er lebt bei seinen Betreuern, irgendwo abgelegen in einem Klima der Hoffnungslosigkeit, in ständiger Angst, gefunden und als Letzter von Sauls Familie getötet zu werden.

Und tief in Mefi-Boschet drin lebt noch immer das Trauma der Vergangenheit – der verletzte, verlassene und verunsicherte Junge, der als Fünfjähriger fallengelassen worden ist von den Menschen, denen er vertraut hatte.

Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 02/2012.


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