China: Die Katastrophe der Ein-Kind-Politik
(26. Juli 2010/fa.) – Die Mitte der 80er Jahre eingeführte Ein-Kind-Politik in China erweist sich heute als eine Katastrophe für das Land: Massenhafte Abtreibungen weiblicher Föten, 250000 Suizide jährlich, die Gesellschaft überaltert.
In den vergangenen 30 Jahren hat die Ein-Kind-Politik Schätzungen zufolge 340 Millionen Geburten verhindert. Wie viele Frauen abgetrieben haben, um den drakonischen Strafen für ein zweites Kind zu entgehen, wird nie zu klären sein – aber es sind sicher Millionen Menschenleben, die im Mutterleib getötet wurden.
Eine Folge der Ein-Kind-Politik ist, dass sich werdende Eltern entscheiden, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen wollen. In der konfuzianisch geprägten Kultur führt der Sohn die Familienlinie weiter und erweist so den Ahnen Ehre. Für die Altersversorgung der Eltern sind die Söhne verantwortlich, weil die Töchter in fremde Familien einheiraten. All das hat dazu geführt, dass vor allem weibliche Föten abgetrieben werden.
In China kommen heute auf 100 neugeborene Mädchen 118 Jungs. Es gibt in Südchina Provinzen, in denen 137 Jungs auf 100 Mädchen kommen. Auf den Einzelkindern lastet ein enormer Druck: Sie müssen erfolgreich sein und gut verdienen, um der Aufgabe gerecht zu werden, die ihre Eltern und die Gesellschaft von ihnen erwarten.
Für viele ist der Druck zu gross. In der Altersgruppe der 15 – 34-jährigen ist der Selbstmord die häufigste Todesursache. Jedes Jahr nehmen sich 250000 Chinesen das Leben. Die Tendenz ist steigend.
Als Folge der kommunistischen Familienpolitik verändert sich das demographische Gefüge auch hinsichtlich der Alterspyramide. Im Jahr 2050 wird etwa ein Viertel der Chinesen über 60 Jahre alt sein. Auf zwei Arbeitskräfte kommt dann ein Pensionär. Das wird für die chinesische Wirtschaft in absehbarer Zeit zu einer kaum zu bewältigenden Herausforderung.
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