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Alkohol immer noch Droge Nummer 1

(30. Juli 2010/apd.) - Wenn umgangssprachlich von Sucht die Rede ist, denkt man üblicherweise an harte, illegale Drogen. Fachverbände in Deutschland, der Schweiz und Österreich weisen aber darauf hin, dass Alkohol nach wie vor die Droge Nummer Eins ist. Kein anderes Rauschmittel sei so akzeptiert und werde so häufig konsumiert.

In Deutschland seien 1.3 Millionen Menschen alkoholabhängig und bei zusätzlichen 2 Millionen liege Alkoholmissbrauch vor. Ferner passierten in Deutschland rund 275 000 schwere Straftaten und 20 000 Verkehrsunfälle im Jahr unter Alkoholeinfluss.

Vier Prozent der Schweizer Bevölkerung haben ein Alkohol-Abhängigkeitsproblem. Das sind 300 000 Menschen. Doppelt so viele sind alkoholgefährdet. Laut "Sucht Info Schweiz" wachsen ungefähr 100'000 Kinder mit einem alkoholabhängigen Elternteil auf.

Rund 5% der österreichischen Bevölkerung sind chronische Alkoholiker, weitere 10,5% gelten als alkoholgefährdet, aber nicht "alkoholabhängig".

In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist der Alkoholkonsum ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Der Pro-Kopf-Konsum der deutschen Bevölkerung ab dem 15. Lebensjahr beträgt im Durchschnitt zwölf Liter Reinalkohol pro Jahr, in der Schweiz 8,2 Liter und in Österreich 10,9 Liter. Aus gesundheitlicher Sicht dürfe der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol jedoch nicht mehr als drei Liter jährlich betragen, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)

Erfreulicherweise ist in der Schweiz der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch reinen Alkohols seit 1990 um 2,2 Liter zurückgegangen. Nach Ansicht der Schweizer Alkoholverwaltung trinke zwar die Gesamtbevölkerung im Schnitt weniger alkoholische Getränke, der Konsum in einzelnen Risikogruppen steige aber.

Auch die Europäische Kommission für Gesundheit und Verbraucherschutz mahnt, dass Alkoholmissbrauch EU-weit ein zentrales Problem für die öffentliche Gesundheit darstelle, das erhebliche soziale Konsequenzen nach sich ziehe. Europa verzeichne weltweit den höchsten Anteil an Alkoholikern, den höchsten Alkoholkonsum pro Person und ein hohes Mass an alkoholbedingten Schäden und Problemen. Übermässiger oder riskanter Alkoholkonsum sei die Ursache für 7,4 % der gesundheitlichen Probleme und vorzeitigen Todesfälle in der EU.

Zu den Folgen des Alkoholmissbrauchs gehörten unter anderem zahlreiche Unfälle mit Todesfolge auf den europäischen Strassen, weitreichende gesellschaftliche Auswirkungen wie Gewalt, Rowdytum, Verbrechen, familiäre Probleme und sozialer Ausschluss sowie Produktivitätsrückgang am Arbeitsplatz.

"Für viele gehört Alkohol zum Feiern oder zum Entspannen einfach dazu. Dabei werden die gesundheitlichen Risiken, die ein regelmässiger und zu hoher Alkoholkonsum mit sich bringt, noch immer massiv unterschätzt", warnt Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wissenschaftliche Studien zeigten, dass für einen erwachsenen Mann 24 Gramm Reinalkohol - etwa zwei kleine Bier - und für eine Frau zwölf Gramm Reinalkohol pro Tag an maximal fünf Tagen in der Woche gesundheitlich unbedenklich seien. "Alles, was darüber liegt, ist bereits riskanter Alkoholkonsum und führt auf Dauer unausweichlich zu gesundheitlichen Schäden. Bei Jugendlichen lägen diese Grenzwerte noch deutlich niedriger, denn ihr Körper sei noch nicht vollständig entwickelt.



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