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Afghanistan: Hilfswerk-Mitarbeiter ermordet

(09. August 2010/idea) – Im Nordosten Afghanistans sind zehn Mitarbeiter der christlichen Hilfsorganisation „International Assistance Mission“ (IAM) ermordet worden. Es handelt sich um Angehörige eines mobilen Augenarzt-Teams: eine deutsche Ärztin, einen Briten, sechs US-Amerikaner und zwei afghanische Dolmetscher.

Laut IAM-Direktor Dirk Frans war die Gruppe auf dem Rückweg nach Kabul. Dort betreibt die Hilfsorganisation die Augenklinik Noor. Nach afghanischen Polizeiangaben ereignete sich die Bluttat am 5. August. Die Leichen seien neben den Geländewagen der Opfer gefunden worden, so der Polizeichef der Provinz Badachschan, Agha Nur Kentus.

Nach seinen Angaben hat ein Afghane namens Sayedullah den Angriff überlebt. Er habe erklärt: „Die Angreifer, die alle lange Bärte hatten, durchsuchten die Ausländer erst und erschossen sie dann.“ Die Taliban haben sich zu dem Überfall bekannt. Es habe sich bei den Getöteten um „christliche Missionare“ gehandelt, die Geheimdienstinformation in der Region gesammelt hätten.

Nach Angaben des IAM-Direktors Frans arbeitet die Hilfsorganisation seit 1966 in Afghanistan: „Wir hoffen, dass wir unsere Arbeit nicht einstellen müssen, die jedes Jahr einer Viertelmillion Afghanen zugute kommt.“ 

Die Leichen der Getöteten wurden in der Trauerhalle des afghanischen Militärhospitals in Kabul aufgebahrt. Ein Opfer ist die 35-jährige Dolmetscherin Daniela Beyer aus Chemnitz, die fließend die afghanische Sprache Dari sowie Englisch beherrschte. Sie war bis 2006 in der Jugendarbeit der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Wittgensdorf in Chemnitz tätig. Der sächsische Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) brachte seine Abscheu gegenüber dem Anschlag und sein Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer zum Ausdruck. Der Mord sei ein Zeichen für die kriminelle Einstellung von Gruppen wie den Taliban. Die Chemnitzerin sei durch ihren Glauben motiviert, aber nicht zum Missionieren nach Afghanistan gereist.

Beyer war von der ebenfalls erschossenen englischen Chirurgin Karen Woo für den Einsatz gewonnen worden. Die 36-Jährige wollte in Kürze ihren Verlobten, einen britischen Soldaten, heiraten. Identifiziert wurden auch fünf der sechs getöteten Amerikaner. Der aus Delmar (Bundesstaat New York) stammende Optiker Tom Little (61) war seit 34 Jahren in Afghanistan und koordinierte die augenmedizinische Hilfe von IAM. Er hinterlässt seine Frau Libby und drei erwachsene Töchter, die in dem Land am Hindukusch aufgewachsen sind. Erschossen wurde ferner Littles Gefährte Dan Terry (64), der seit 1971 als Entwicklungshelfer in Afghanistan tätig war. Er hinterlässt seine Frau, drei Töchter und eine Enkelin. Der Zahnarzt Thomas Grams (51) hatte seine Praxis in Durango (Bundesstaat Colorado) aufgegeben und war seit fünf Jahren in Afghanistan. Der 40-jährige Intensivpfleger Glen Lapp aus Lancaster (Bundesstaat Pennsylvania) war vom Mennonitischen Zentralkomitee für zwei Jahre nach Afghanistan entsandt. Auf Gesundheitsfragen von Müttern und Kinder spezialisiert war die 32-jährige Cheryl Beckett, eine Pastorentochter aus Knoxville (Bundesstaat Tennessee). Um sie trauern ihre Eltern und drei Geschwister. Der 25-jährige Brian Canderelli aus dem Bundesstaat Pennsylvania war ein Videoproduzent. Die beiden ermordeten Afghanen sind der 50-jährige verheiratete Wachmann Mahram Ali, Vater von drei Kindern, sowie ein von IAM als Jawed bezeichneter 24 Jahre alter Koch.

Das mobile IAM-Ärzteteams hatte im Parun-Tal (Provinz Nuristan) vor allem Mütter und Kinder allgemeinmedizinisch sowie zahn- und augenmedizinisch untersucht und behandelt. Dort leben etwa 50.000 Menschen ohne ausreichende Gesundheitsversorgung.

Die Entwicklungshelfer waren auf dem Rückweg durch die Provinz Badachschan. Am 5. August wurden ihre Leichen in der Nähe ihrer Fahrzeuge erschossen aufgefunden. Nach Angaben des Fahrers, der verschont wurde, weil er Koran-Verse zitierte, wurden die Mitglieder des Teams von bewaffneten Männern aufgereiht und der Reihe nach erschossen. Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid sagte, die Helfer hätten sterben müssen, weil sie Spione und christliche Missionare gewesen seien. Man habe bei ihnen eine Bibel in der Sprache Dari gefunden. Die afghanische Polizei ging zunächst von Raubmord aus, weil wertvolle Gegenstände, etwa Handys, verschwunden waren, revidierte diese Einschätzung jedoch später, so die Zeitung New York Times. 

Der IAM-Direktor wies die Behauptung, dass die Ermordeten Missionare gewesen seien, als „Lüge“ zurück. „Wir predigen nicht das Christentum, wir verteilen keine Bibeln. Das ist nicht unsere Arbeit, auf die wir uns mit der Regierung geeinigt haben“, sagte Frans am 8. August in Kabul. Die IAM sei staatlich anerkannt; auch der jüngste Einsatz sei genehmigt gewesen. Die Organisation wolle ihre Arbeit trotz des Anschlags fortsetzen.



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