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Israel: Nach dem Anschlag beschämende Reaktionen

(01. September 2010/tl.) – Hamas-Terroristen ermordeten gestern abend vier israelische Zivilisten bei Kiriat Arba in der Nähe von Hebron, darunter ein Ehepaar, das sechs Kinder hinterlässt. Eine der ermordeten Frauen war im 9. Monat schwanger. Die Reaktionen auf das Massaker sind beschämend.

Nach Angaben der Polizei wurden bei dem Angriff zunächst zwei der Überfallenen verletzt und das Auto kam zum Stehen. Als Rettungsdienst und Polizei eintrafen lagen die Opfer auf der Strasse, sie waren offenbar aus nächster Nähe erschossen worden.

Bei den Getöteten handelt es sich um Kochava Even-Chaim (37), Avischai Schindler (24), Jitzchak Imes (47) und seine Frau Tali (45). Sie war im 9. Monat schwanger. Das Ehepaar hinterlässt sechs Kinder. Auch die ermordete Kochava Even-Chaim hinterlässt einen Ehemann und eine achtjährige Tochter. Avishai Schindler hatte erst kürzlich geheiratet.

Besonders tragisch war es für einen Sanitäter, der zum Ort des Verbrechens kam. Er musste feststellen, dass es sich bei der zweiten ermordeten Frau um Kochava, seine Ehefrau, handelte. Das berichtet „israel heute“.

Die Reaktionen auf den Mordanschlag sind beschämend. Nach Bekanntwerden der Nachricht zogen Hamas-Anhänger im Westjordanland jubelnd durch die Strassen. Bemerkenswert sind auch die Reaktionen in Deutschland. Dass vier unschuldige Israelis ermordet wurden fand auf den Online-Seiten der Printmedien wenig Beachtung.

Die sehr israelkritische deutsche Wochenzeitung „Die ZEIT“ wies aber darauf hin, dass es sich bei den Getöteten um „jüdische Siedler“ gehandelt habe, der Ort des Verbrechens wurde mit „ in der Nähe der Siedlerhochburg Kiriat Arba“ bezeichnet. Besonders vielsagend sind die Worte, mit denen der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle auf das Massaker reagierte. Westerwelle sagte: „Ich verurteile den gestrigen Anschlag im Westjordanland auf das Schärfste. Einziges Ziel dieses Anschlags ist es, den geplanten Beginn direkter Verhandlungen zu blockieren. Ich hoffe, dass alle Seiten die Kraft zu einer besonnenen Reaktion finden und sich nicht vom Weg der Verhandlungen und des Friedens abbringen lassen.“ Der Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm hat die pflichtschuldige Formulierung analysiert und mit früheren Kondolenzworten Westerwelles verglichen und kam zu einem bemerkenswerten Ergebnis.

Zu den diplomatischen Gepflogenheiten gehört, dass den Angehörigen der Opfer die Anteilnahme ausgesprochen wird. Westerwelle hat das bei früheren Anlässen immer getan. Die dürren Worte Westerwelles im Fall der Ermordung der vier Israelis sind offenbar mit Bedacht gewählt. Sein Verzicht auf die Bekundung von Mitgefühl an den Opfern entspricht offenbar seinem Kalkül und mithin seiner tatsächlichen Einstellung. Sie offenbaren seine Einstellung zum jüdischen Volk und zum Staat Israel ebenso wie eine bemerkenswerte Herzlosigkeit. „Selbst eine hochschwangere Frau unter den vier Toten und sieben Waisenkinder sind Westerwelle offenbar kein Mitgefühl wert“, kommentierte der Korrespondent Ulrich Sahm.

Auch dass Westerwelle die involvierten Gruppen des Geschehens auf eine Stufe stellt, indem er von „allen Seiten“ eine „besonnene Reaktion“ fordert spricht Bände: Die eine Seite hat gehandelt und – offenbar wenig „besonnen“ - vier Menschen ermordet. Westerwelle fordert, dass sich „alle Seiten“ jetzt nicht „vom Weg des Friedens“ abbringen lassen. Er übersieht geflissentlich, dass die entscheidende „Seite“ in diesem Konflikt am „Weg des Friedens“ offenbar nicht interessiert ist: Sie hat soeben vier unschuldige Menschen ermordet, sechs Kinder zu Vollwaisen gemacht und ein Kind zu einer Halbwaise.

Die Wortwahl Westerwelles ist keine spontane Formulierung. Er hat als deutscher Aussenminister gesprochen und offenbar jede Auslassung in seiner Aussage ebenso kalkuliert formuliert wie jedes gesprochene Wort.

Das macht seine Stellungnahme umso schändlicher und erinnert an seinen Vorgänger als FDP-Parteivorsitzenden, den unseligen Jürgen Möllemann, der aus seiner Israelfeindschaft und seiner Judenfeindschaft kein Geheimnis gemacht hatte. Bemerkenswert ist auch, dass Westerwelle von dem „geplanten Beginn direkter Verhandlungen“ spricht, wovon keine Rede sein kann.

Israel fordert das zwar beständig und bietet es an. Die palästinensische Seite hat dies aber ebenso beharrlich bis jetzt immer ausgeschlagen und abgelehnt. Es geht bei den anvisierten Gesprächen nicht um „direkte Verhandlungen“ sondern nur um die Wiederaufnahme von Verhandlungen unter Beteiligung verschiedener weiterer Parteien, die vor langer Zeit von der palästinensischen Seite abgebrochen worden sind.

Die Reaktion des Aussenministers auf die Bluttat ist nicht nur von Kälte und mangelndem Mitgefühl geprägt, sondern auch von politischer Kurzsichtigkeit und einer für einen Spitzendiplomaten bedenklichen Ahnungslosigkeit über den politischen Stand der Dinge.

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