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Wächst jetzt zusammen, was zusammen gehört?
(22.September 2010/fa.) Für die Mehrheit der Deutschen ist die Wiedervereinigung heute, zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer, "ein Anlass zur Freude". Zunehmend wird das Zusammenwachsen der ehemals so gegensätzlichen politischen und gesellschaftlichen Systeme als positiv bewertet.
Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Allensbach. Der Erhebung zufolge fällt das Urteil über die Folgen der Einheit heute überwiegend positiv aus. 53 Prozent der Westdeutschen und 57 Prozent der Ostdeutschen bekannten, die Wiedervereinigung sei "Anlass zur Freude". Auf die Frage, ob das Zusammenwachsen Deutschlands gelinge, sagten fast zwei Drittel der Befragten: "Das Zusammenwachsen gelingt".
So positiv wurden die Wende im Osten und die Wiedervereinigung früher nicht beurteilt. Nach Einschätzung von Dr. Thomas Petersen vom Allensbach-Institut wurde die Debatte bereits 1990 "weitgehend auf finanzielle Aspekte verengt" und war "von Ungeduld geprägt". Statt den "Zugewinnn an freiheitlicher Gesellschaft" in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen, habe man sich auf das Ziel, die materiellen Lebensverhältnisse der ostdeutschen Bevölkerung auf das westdeutsche Niveau zu bringen" konzentriert, so Petersen.
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sich mit seinem Satz, wonach es "durch gemeinsame Anstrengungen" gelingen werde, die östlichen Bundesländer in "blühende Landschaften" zu verwandeln, "in denen es sich zu leben und arbeiten lohnt", heftigste Kritik und Spott eingehandelt. Heute wird diese Sicht von vielen geteilt.
Eine knappe relative Mehrheit von 39 Prozent sagt, dass es "blühende Landschaften" in den neuen Bundesländern gebe. Achtzig Prozent der Ostdeutschen sagen heute, ihnen gefielen die Städte heute besser als früher. 45 Prozent erklärten, sie seien begeistert von der Freiheit, die die Wiedervereinigung mit sich gebracht habe.
Hartnäckig halten sich indes hüben wie drüben die zum Teil negativen Beurteilungen der Deutschen hüben und drüben des ehemaligen Eisernen Vorhangs. So halten noch immer 69 Prozent der Ostdeutschen die Westdeutschen für "arrogant", mit 54 Prozent glaubt eine Mehrheit der Ostdeutschen, die Westdeutschen seien vor allem "auf's Geld aus".
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