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Was bedeutet der Volksaufstand in Aegypten?
(11. Februar 2011/rh./idea) – Was hat die Bibel zu den Unruhen in Ägypten und anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens zu sagen? Lässt sich das aktuelle Geschehen mit Prophezeiungen im Blick auf die Zukunft Israels einordnen?
Kenneth Boa, Präsident des Missionswerks „Reflections“ (Überlegungen) in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia), lehnt zwar eine „Zeitungs-Exegese“ biblischer Texte ab, ist aber gleichwohl überzeugt, dass die aktuellen Geschehnisse auf eine Entwicklung im Nahen Osten hinauslaufen können, die in der Bibel vorhergesagt sind.
Grundsätzlich spiele die Beziehung zwischen Ägypten und Israel eine grosse Rolle in der Heiligen Schrift, sagte er in einem Interview mit der Zeitung „Christian Post“ (Washington). So sei Abraham nach Ägypten gezogen, Josef dorthin verschleppt worden, und Mose sei am Nil geboren. Das Volk Gottes habe dort 400 Jahre gelebt, bevor es in das gelobte Land ausgezogen sei. Jesus habe sich als Flüchtlingskind mit Maria und Josef in Ägypten aufgehalten, und Matthäus zitiere im Blick auf Jesus den alttestamentlichen Propheten Hosea: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Matthäus 2,15).
Boa, der sich Ende Januar in Ägypten aufhielt, räumt ein, dass es noch keine Klarheit über den Ausgang des Volksaufstands geben könne. Ungewiss sei zum Beispiel die Rolle, die die radikal-islamischen Muslim-Bruderschaften im künftigen Machtgefüge spielen. Eines aber sei sicher: Es sei ihr erklärter Wunsch, Israel zu zerstören. Eine Radikalisierung des Nahen Ostens könnte endzeitliche Geschehnisse heraufziehen lassen, wie sie beispielsweise im 38. Kapitel des alttestamentlichen Buchs des Propheten Hesekiel beschrieben würden.
Da werde vorhergesagt, dass Mächte aus allen Himmelsrichtungen militärisch gegen Israel vorgehen. Schliesslich werde dem Propheten Daniel (9,27) zufolge ein falscher Messias einen Friedensvertrag mit Israel für die Dauer von sieben Jahren schliessen; dieser werde jedoch nach der Hälfte der Zeit gebrochen. Es werde eine Zeit der Illusion von Frieden und Sicherheit sein. Schlieslich werde es mit der Wiederkunft des wahren Messias eine endgültige Sammlung des Volkes Gottes geben. Bis zu diesem unbestimmten Zeitpunkt könne man Zeichen und Muster erkennen, die auf diese Entwicklung hindeuten, sagte Boa.
Nach dem Abgang des ägyptischen Regenten Hosni Mubarak weiss niemand, wie die Machtverhältnisse im Land sind. Sichtbar wird zurzeit erst einmal die Muslimbruderschaft, die sich nun öffentlich in die politische Diskussion einbringt und der bis 30 Prozent Wähleranteil zugesprochen werden.
Der Prophet Jesaja spricht in Kapitel 19 von Gericht über Ägypten, von Verwirrung im Volk, von Bürgerkrieg (V.2), von Unterdrückung (V.4). Doch diese bedrängende Situation führt dazu, dass die Bevölkerung letztlich zum einen Gott schreien wird (V.20). Ägypten fürchtet sich vor Israel (Juda; V.17) und daraufhin wird sich Gott zu erkennen geben (V.21). Der Prophet spricht dann auch von einer Zeit der Umkehr Ägyptens in der Zukunft, wohl bei der Wiederkunft von Jesus Christus und der Aufrichtung seines Friedensreiches:
„Zu der Zeit wird für den Herrn ein Altar mitten in Ägyptenland sein und ein Steinmal für den Herrn an seiner Grenze; das wird ein Zeichen und Zeugnis sein für den Herrn Zebaoth in Ägyptenland. Wenn sie zum Herrn schreien vor den Bedrängern, so wird er ihnen einen Retter senden; der wird ihre Sache führen und sie erretten. Denn der Herr wird den Ägyptern bekannt werden, und die Ägypter werden den Herrn erkennen zu der Zeit und werden ihm dienen mit Schlachtopfern und Speisopfern und werden dem Herrn Gelübde tun und sie halten. Und der Herr wird die Ägypter schlagen und heilen; und sie werden sich bekehren zum Herrn, und er wird sich erbitten lassen und sie heilen. Zu der Zeit wird eine Straße sein von Ägypten nach Assyrien, dass die Assyrer nach Ägypten und die Ägypter nach Assyrien kommen und die Ägypter samt den Assyrern Gott dienen. Zu der Zeit wird Israel der Dritte sein mit den Ägyptern und Assyrern, ein Segen mitten auf Erden“ (Jesaja 19, 19 bis 24). Zur Vorsicht vor Spekulationen mahnen mehrere deutsche Theologen, darunter etwa der Leiter des Instituts für Israelogie in Giessen, Berthold Schwarz. Der Dozent an der Freien Theologischen Hochschule Giessen sagte, die alttestamentlichen Vorhersagen liessen sich nicht auf die aktuelle Situation beziehen. Schwarz: „Wir können die Prophezeiungen nicht eins zu eins auf die Tagespolitik beziehen. Da wäre der Wunsch der Vater des Gedankens. Dies ist zu spekulativ und unkritisch gedacht, weil die Heilgeschichte Gottes mit Israel dies so noch nicht deuten lässt.“
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