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Von einer Fülle zur anderen

(17. März 2011/tl.) – Die Schöpfung selbst lehrt uns das richtige Verständnis ökologischer Zusammenhänge und ein Wirtschaften, das der Natur nicht schadet, sondern ihr nützt.

Sich im Frühsommer unter eine jahrhundertealte, blühende Linde zu legen, kann der Erkenntnis sehr dienlich sein – jedenfalls dann, wenn man alle seine Sinne für das schärft, was hier geschieht. Der Blick in das Laubdach entdeckt unzählbar viele Blüten. Überbordende Fülle. Ein Bruchteil der Blüten genügte, um die Fortpflanzung des Baumes zu sichern. Also reine Verschwendung?

Die Blütenpracht verströmt einen betörenden Duft. Unzählige Bienen tanzen um diese Blüten, um Nektar zu saugen. Das Summen ist ein machtvolles Dröhnen. Es ist der schiere Überfluss, ein Sinnenfest der Vitalität: des Sehens, Hörens und des Riechens. Es ist gleichsam ein Jubelklang, wie zur Ehre Gottes, des Schöpfers, angestimmt. Schönheit und Fülle, Wohlklang und Wohlduft sind Ausdruck der Herrlichkeit Gottes.

Die Wachstumskraft dieses Baumes, die Vielzahl und Vielförmigkeit seiner Blätter und Blüten, wirken wie eine schöpferische Verschwendung. Sie stellt eine andere Art von Wachstum dar als jenes, das der Mensch praktiziert. Sie produziert keinen Abfall. Sie gebiert neues Leben, neue Fülle.

Jetzt dienen diese Blüten den Fluginsekten als Weide. Wenn Sommerwind die Blüten vom Baum segeln lässt, sprossen kleine Linden. Wenn Herbstwind und Kälte die Blätter abreissen, werden sie mitsamt den Blüten zum Segen für den Boden. Myriaden von Kleinstlebewesen vollbringen ein Wunder der Verwandlung. Und wieder entsteht etwas Wohlduftendes: Waldboden, Humus, Heimat neuer Fruchtbarkeit.

Wenn man sich das, was hier in gänzlicher Unscheinbarkeit geschieht, genauer anschaut, dann kommt ein ganzer Kosmos zum Vorschein. Das Braunschweiger Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) berichtet, dass in jedem Gramm Ackerboden sieben Milliarden Bakterienzellen sind, so viele, wie es Menschen auf der Erde gibt. Diese Bakterien verteilen sich «auf mehr als 10 000 verschiedene Arten. Hinzu kommt ein ganzes Heer anderer Mikroorganismen wie Pilze und Protozoen». Die Erkenntnis davon hat jetzt einen ganz neuen, aussichtsreichen Wissenschaftszweig begründet, die Boden-Metagenomik. Bioinformatiker sequenzieren die Erbsubstanz und erwarten bahnbrechende Erkenntnisse «für die Aufarbeitung von Rohstoffen und die Produktion von Lebensmitteln, neue medizinische Wirkstoffe und innovative Pflanzenschutzmittel», so das Institut. Die Informationsfülle, die sich auch nur in einem Viertel Gramm Humus befindet, würde jede Bibliothek sprengen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 2/11.



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