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Wieder Gewalt in Ägypten

(10. Mai 2011/idea) – Droht in Ägypten nach dem erneuten Aufflammen blutiger Gewalt gegen Christen ein Bürgerkrieg?

Am 7. und 8. Mai hatten mehrere Tausend Muslime unter Führung extremistischer Salafisten koptische Kirchen im Kairoer Arbeitervorort Imbaba angegriffen. Sie steckten drei Gotteshäuser und mehrere Wohnhäuser von Christen in Brand. Ein Dutzend Menschen kamen ums Leben; über 230 wurden verletzt.

Mehrere Stunden nach Ausbruch der Gewalt trieben Sicherheitskräfte Christen und Muslime mit Tränengas auseinander. 190 Personen wurden vorläufig festgenommen.

Auslöser für die Ausschreitungen war ein vermeintlicher Religionsübertritt. Eine mit einem koptischen Priester verheiratete ehemalige Muslimin habe sich von ihrem Mann abgewandt und sei zum Islam zurückgekehrt; jetzt werde sie zwangsweise in einer Kirche versteckt, behaupteten Muslime. Die Kopten und die Frau bestreiten dies.

Von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ sprach der Bischof der rund 6.000 orthodoxen Kopten in Deutschland, Anba Damian (Höxter): "Seit vorgestern erreichen uns unentwegt schreiende und tief verletzte Stimmen aus Ägypten; sie haben keine Erklärung für diese Hasswelle.“ Eine Übermacht aus Salafisten, Muslimbrüdern und anderen Islamisten habe friedliche, ins Gebet vertiefte Menschen in der Kirche angegriffen.

Besonders schockiert seien die ägyptischen Kopten vom Verhalten der Armee, die erst fünf Stunden nach den Ausschreitungen vor Ort gewesen sei. Auch Krankenwagen seien zuvor nicht zu den Verletzten durchgekommen. Damian: „Die Armee ist nicht schwach. Entweder sie will wegschauen oder sie beteiligt sich aktiv an der Vernichtung.“ Er hob hervor, dass alle Toten Christen gewesen seien: „Wenn von offizieller Seite behauptet wird, es seien auch Muslime getötet worden, so ist das eine Lüge.“ Damian: „Die Christen in Ägypten sind schutzlos. Die Welt darf vor diesem Terror nicht länger die Augen verschlien.“

Pfarrer Axel Matyba von der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Kairo widersprach der Vorstellung, dass es sich um „bürgerkriegsähnliche“ Zustände handele. „Viele Menschen in Ägypten sind erschüttert. Das betrifft sowohl Christen als auch Muslime“, sagte er. Obwohl die Situation der Kopten sehr schwierig sei, habe es in den letzten Monaten positive Signale für das Zusammenleben der Religionen gegeben. Das Land befinde sich nach dem Sturz des früheren Machthabers Hosni Mubarak in einer „unsicheren Übergangszeit“. Es sei nicht auszuschliessen, dass neben religiösen Hitzköpfen auch „gekaufte und aufgeputschte“ Gruppen für die jüngsten Ausschreitungen verantwortlich seien.

Matyba hob die Notwendigkeit hervor, einen starken Staatsapparat zu schaffen, der in der Lage sei, Übergriffen vorzubeugen. Er warnte davor, die Armee zu einem „neuen Sündenbock“ zu machen: „Ob das Militär immer objektiv ist, weiss ich nicht. Aber es ist hoffentlich um Deeskalation und eine Moderation des Gesamtkonflikts bemüht.“ Es gelte, für ein gutes und vertrauensvolles Miteinander der Religionen zu werben.



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