Abschaffung aller Apostasiegesetze gefordert
(27. Juni 2011/bq.) - Die Abwendung vom Islam (Apostasie)
soll nicht mehr bestraft werden. Das forderte der Korangelehrte Abduallah Saeed
im Rahmen einer Journalistenkonferenz in Bonn.
Bei einer der grössten Journalistenkonferenzen der Welt, dem
jährlich stattfindenden Global Media Forum in Bonn, hat der Korangelehrte
Abduallah Saeed die islamische Theologie und die islamischen Staaten
aufgefordert, die Bestrafung der Apostasie, also des Abwendens vom Islam,
völlig aufzugeben, alle Apostasiegesetze abzuschaffen und Muslimen und
Nichtmuslimen die Wahl ihrer Religion freizustellen. Dass sei zwar in der
klassischen islamischen Theologie noch eine Minderheitenmeinung, er sei aber
zuversichtlich, dass der Freiheitsdrang der Menschen helfen werde, zu
verstehen, dass die harte Unterdrückung Menschen anderen Glaubens sich nicht
zwingend aus dem Koran und der Lehre des Propheten ergebe, sondern erst
Jahrhunderte später festgeschrieben worden sei. Es sei eine Schande, dass
praktisch alle Länder mit islamischer Mehrheit bei internationalen Studien und
Rankings sehr schlechte Noten in puncto Religionsfreiheit bekämen, sagte Saaed.
Der die Religionsfreiheit fordernde Artikel 18 der
Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Uno sei so gut und richtig und nutze
der Religion so viel, dass sich die islamische Theologie fragen müsse, was sie
ändern müsse, damit dieser Artikel wie selbstverständlich mit dem Islam in
Verbindung gebracht wird.
Der aus den Malediven stammende Saeed, der in Pakistan
aufwuchs und seine theologische Ausbildung in Saudi Arabien empfing, hat den
vom Staat Oman finanzierten Lehrstuhl für Islamische Studien an der Universität
Melbourne inne. Durch seine zahlreichen Bücher und Vorträge auf allen
Kontinenten übt er einen grossen Einfluss im gesamten Pazifikbereich und
weltweit aus. In seinem Buch „Freedom of Religion and Apostasie“ beschreibt
Saeed die schreckliche Seite der Bestrafung von Apostaten in vielen islamischen
Ländern.
Auf dem vom Internationalen Institut für Religionsfreiheit
organisierten Panel auf dem Global Media Forum stellten drei Professoren
jeweils die Begründung ihrer Religion für Religionsfreiheit dar, neben dem
muslimischen auch ein christlicher und ein buddhistischer Vertreter. Prof.
Somseen Chanawangsa aus Thailand erläuterte, dass es der buddhistischen Lehre
völlig widerspreche, andere Menschen wegen ihres Glaubens zu verunglimpfen oder
zu unterdrücken. Allerdings sei mehr gefordert, als nur negativ die Grenzen der
Menschenrechte nicht zu überschreiten. Es müsse positiv dazu kommen, dass man
mit anderen Menschen tatsächlich in Harmonie zusammenlebe. Für die
buddhistische Welt sei die Religionsfreiheit kein heikles Thema. „Aus
buddhistischer Sicht ist die Achtung der Menschenrechte notwendig, aber leider
wird sie ungenügend umgesetzt“, so Chanawangsa. Autoritäre Regime stützten sich
auf Religionen, um ihre Herrschaft zu verankern und sich als gottgegeben zu
legitimieren.
Thomas Schirrmacher, erläuterte, dass Religionsfreiheit in
einem Staat nur dann wirklich umgesetzt werden könne, wenn sie nicht nur vom
Staat gefordert und erzwungen würde, sondern die Religionen, vor allem die
jeweilige Mehrheitsreligion, dies wollten. Deswegen sei es wichtig, dass die
Religionen selbst aus sich heraus die Religionsfreiheit begründen, fordern und
nötigenfalls auch gegen ihre eigenen Anhänger durchsetzten.
Schirrmacher führt die christliche Perspektive zur
Religionsfreiheit auf die Menschenwürde zurück, die der Mensch als geschaffenes
Wesen von Gott erhalten habe und die der Christ immer zu respektieren habe.
Glaube sei vor allem Vertrauen auf Gott und damit eine ganz persönliche
Herzensentscheidung. „Wenn man jemanden zwingt, Christ zu werden, ist er in
Wirklichkeit kein Christ geworden, da er nicht Gott vertraut und ihm seine
Sorgen, aber auch seine Schuld anvertraut.“ Aus christlicher Sicht sei es
unmöglich, entweder selbst andere wegen eines anderen Glaubens zu bestrafen
oder den Staat dafür zu missbrauchen.
Das Global Media Forum ist ein internationaler
Medienkongress mit 1600 Teilnehmern, vorwiegend Medienschaffende, aus 188
Ländern, der seit 2008 jährlich mit wechselndem Thema vom Auslandsrundfunk
Deutsche Welle in Bonn veranstaltet wird.
Das Internationale Institut für Religionsfreiheit (Bonn, Cape
Town, Colombo) der Weltweiten Evangelischen Allianz ist ein Netzwerk von
Professoren und Forschungseinrichtungen von allen Kontinenten, die im Bereich
der Religionsfreiheit und ihrer weltweiten Verletzung forschen und ihre
Ergebnisse Universitäten, Politikern und Medien zugänglich machen. Das Institut
gibt das International Journal for Religious Freedom heraus.
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