Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Sudan: Begeisterung und Sorge

(12. Juli 2011/idea) – Ein neuer afrikanischer Staat ist geboren: der Südsudan. Unter der überwiegend christlichen und naturreligiösen Bevölkerung herrscht nach 22 Jahren Bürgerkrieg mit der radikal-muslimischen Zentralregierung in Khartum Freude und Erleichterung. Aber es gibt auch Grund zur Sorge.

Viele Fragen stehen im Raum: Was wird aus den Christen im muslimisch dominierten Norden? Gibt es Grenzkonflikte wegen des Öls, das vor allem im Süden gefördert, aber per Pipeline durch den Norden transportiert wird? Kann der neue Staat tragfähige Strukturen schaffen und die eigene Bevölkerung versorgen?

Am 9. Juli wurde der Südsudan unabhängig. General Salva Kiir Mayardit übernahm als Präsident das höchste Staatsamt. Von den knapp 8,3 Millionen Einwohnern gehören die meisten zur katholischen oder anglikanischen Kirche.

Der Bildung des Staates war ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg vorausgegangen, in dem muslimische Milizen der Zentralregierung den christlich-naturreligiös geprägten Süden zu islamisieren versuchten. Dabei kamen über zwei Millionen Menschen um; sieben Millionen wurden vertrieben. In einem Friedensabkommen im Jahr 2005 wurde die Schaffung der Republik Südsudan vereinbart. Für den neuen Staat votierten bei einer Volksabstimmung im Januar fast 99 Prozent der Wähler. Vor der Abspaltung des Südens hatte der Sudan rund 36 Millionen Einwohner; davon waren fast zwei Drittel Muslime.

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag (Niederlande) hat vor zwei Jahren einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Staatspräsidenten Omar al Baschir wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ausgestellt. Zwar hat Baschir die Unabhängigkeit des Südsudans akzeptiert, aber zugleich den Anspruch des Nordens auf die ölreiche Grenzregion Abyei erneuert. 

Sorge um die christliche Minderheit im Norden hat der Leiter des Referats Menschenrechte beim deutschen Zweig des Hilfswerks Open Doors, Daniel Ottenberg (Kelkheim bei Frankfurt am Main), zum Ausdruck gebracht. Meist handele es sich um Arbeitsmigranten aus dem Süden, die bisher eine gewisse Glaubensfreiheit genossen hätten. Doch inzwischen habe eine grosse Wanderungsbewegung in den Süden eingesetzt. Etwa 75 Prozent der Katholiken seien geflohen, sagte Ottenberg gegenüber Radio Vatikan. Die Christen befürchteten, dass im Norden das islamische Religionsgesetz, die Scharia, durchgesetzt werde. Den neuen Staat Südsudan stelle die Flüchtlingswelle vor große Probleme.

Die Kirchen im Südsudan wollen zur Einheit des Landes beitragen. Keinesfalls dürfe es zu einem neuen Krieg kommen, sagte der Erzbischof der anglikanischen Episkopalkirche im Sudan, Daniel Deng. Die Regierung in Juba müsse für Frieden, Gewaltlosigkeit, Einheit und Entwicklung eintreten. Ausserdem solle sie Stammeskonflikte vermindern und die Korruption bekämpfen. Es gelte, all jene Lügen zu strafen, die schon jetzt von einem Scheitern des neuen Staates sprächen. Die Kirche rufe alle Südsudanesen auf, die Übergangsverfassung zu respektieren. Darin heisst es unter anderem, dass Glaubensüberzeugungen keine Spaltungen anheizen dürften.



zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben