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Braucht die Welt eine neue Wirtschaftsordnung?

(17. August 2011/idea) – Braucht die Welt nach der Finanzkrise 2008 und angesichts der jetzigen internationalen Staatsschuldenkrise eine neue Wirtschaftsordnung? Zwei Experten nahmen dazu kontrovers Stellung.

Für eine veränderte Wirtschaftsordnung plädiert die Koordinatorin für Kampagnen und Politik der internationalen evangelikalen Micha-Initiative, Amanda Jackson (London). Die Micha-Initiative engagiert sich gegen globale Armut und für Gerechtigkeit. Ein System, bei dem ein Drittel der Weltbevölkerung mit weniger als 1,40 Euro pro Tag auskommen müsse, sei nicht gesund, so Jackson.

Scharfe Kritik übt sie an den Agrarsubventionen in den reichen Ländern. So erhielten französische Bauern jährlich elf Milliarden Euro Fördermittel von der Europäischen Union. Dadurch könnten sie ihre Waren billig auf dem Weltmarkt verkaufen – teilweise billiger als Bauern in Kenia oder Indien. Zudem flössen 80 Prozent der elf Milliarden Euro Nahrungsmittelkonzernen zu. „Dieses System ist damit sowohl unfair gegenüber Kleinbauern in Frankreich wie in armen Nationen, die auf dem Weltmarkt konkurrieren wollen“, so Jackson.

Eine weitere Schwachstelle sei die Verschwendung von Geldern durch Korruption und Schwarzarbeit: „Die besten Bemühungen scheitern, weil wir Unehrlichkeit ignorieren.“ Jackson plädiert für internationale Anstrengungen, um Bestechungen oder Steuerhinterziehung zu stoppen. Dies könne helfen, um Geldgier zu bremsen und Unrecht zu bestrafen: „Wenn wir jedoch selbstgefällig bleiben, verweigern wir den Armen Gerechtigkeit.“

Der Bankmanager Daniel Hoster (Frankfurt am Main) ist dagegen der Ansicht, dass eine Neuordnung der Weltwirtschaft die Probleme nicht lösen könne: „Die Welt lässt sich nun einmal nicht über einen Kamm scheren.“ Staatsverschuldung sei nicht das Ergebnis einer mangelhaften Wirtschaftsordnung: „Sie ist das Ergebnis einer oftmals über viele Jahrzehnte unsoliden Haushaltsführung, die dann durch umfangreiche Rettungspakete für Konjunktur und den Finanzsektor noch verstärkt werden.“

Hoster zufolge hat sich die marktwirtschaftliche Ordnung „bestens bewährt“. In Deutschland habe die Soziale Marktwirtschaft viele Jahrzehnte des Wohlstands und des sozialen Friedens gebracht. „Was wir ändern müssen, ist nicht unsere Weltwirtschaftsordnung, sondern unser Verhalten innerhalb dieser funktionierenden Ordnung“, so der Manager. Man brauche Regierungen, die eine solide und vor allem nachhaltige Haushalts- und Finanzpolitik betreiben.

Notwendig seien Politiker, die sich für Familien-, Bildungs- und Kulturpolitik einsetzten und damit die Gesellschaft zukunftsfähig machten. Man benötige ferner Familien, in denen Kinder ein gutes Vorbild der Eltern erlebten, und Leistungsträger, die sich an Werten orientierten. Hoster verweist auf die in der Präambel des Grundgesetzes genannte „Verantwortung vor Gott und den Menschen“. An diesem Anspruch sollte sich jeder messen lassen: „Dann würde keiner mehr nach einer anderen Wirtschaftsordnung fragen.“



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