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Weltjugendtag: Kritik an Ablass

(18. August 2011/idea) – Ein Dekret der katholischen Kirche über den Ablass hat bei evangelischen Theologen Unverständnis und Kritik ausgelöst.

Der Vatikan hat angekündigt, dass die Teilnehmer am katholischen Weltjugendtag vom 16. bis 21. August in Madrid einen vollkommenen Ablass einer Strafe erhalten können, die ihnen Priester als Busse für begangene Sünden auferlegt haben.

Solche zeitlichen Strafen, beispielsweise dreimal ein Rosenkranz-Gebet sprechen, Geld für einen karitativen Zweck spenden oder eine Wallfahrt unternehmen, sind unabhängig davon, dass einem reuigen Sünder Gottes Vergebung zugesprochen wird. Voraussetzung für den Ablass seien wahre Reue, Empfang des Busssakraments und des Abendmahls sowie eine würdige Teilnahme an der Schlussmesse des Weltjugendtags, so der Vatikan.

Die Ablasslehre und ihre Handhabung waren wesentliche Ursachen für die Reformation Martin Luthers (1483-1546). Damals wurden Ablassbriefe verkauft, die vor den Sündenstrafen im sogenannten Fegefeuer bewahren sollten. Dem widersetzte sich Luther, weil der Bibel zufolge Gott durch den Kreuzestod Jesu Christi dem Glaubenden Vergebung aus reiner Gnade ohne eigene Verdienste gewähre. 

Nach Ansicht des Catholica-Beauftragten der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Friedrich Weber (Wolfenbüttel), weckt der Ablass „ungute Erinnerungen“ an das späte Mittelalter. Damals habe die kirchliche Praxis zur Überzeugung geführt, dass der Erwerb eines Ablasses vollkommene Sündenvergebung bewirke. Heute sei der Ablass Teil der katholischen Frömmigkeitspraxis. Sie solle dem von seiner Sünde freigesprochenen Menschen helfen, die Folgen seines sündigen Handelns aufzuarbeiten. Allerdings sei nicht auszuschliessen, dass katholische Christen am traditionellen Verständnis festhielten.

Auch in den Köpfen vieler Protestanten gebe es nur das mittelalterliche Bild vom Ablass, sagte Weber. Er plädierte für ein intensives theologisches Gespräch der Konfessionen über die Bedeutung des Ablasses. Protestanten seien befremdet, dass die katholische Seite auch nach der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigung im Jahr 1999 noch immer vom Ablass rede. Es bleibe unverständlich, dass der Vatikan nicht zu einer nachvollziehbaren und aktuellen Deutung des Gemeinten komme.

Der Vorsitzende des Arbeitskreises für evangelikale Theologie, Rolf Hille (Heilbronn), betrachtet es als „echtes Ärgernis“, dass die katholische Kirche an der Ablasslehre festhält, obwohl sie die begründete Kritik der anderen Kirchen kennt. Die Verbindung von Sündenvergebung mit Kirchenstrafen widerspreche dem christlichen Glauben zutiefst, zumal wenn sich die Strafen wie an einem tariflich fixierten weltlichen Bussgeldkatalog orientierten. Dass die Kirche eine innerweltliche Strafjustiz praktiziere, sei eine Anmassung, „die wir strikt ablehnen“.



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