Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Der Papst im Bundestag

(23. September 2011/idea/fa.) - Der Papst im Bundestag: Dem Recht dienen – dem Unrecht wehren. Seine gehaltvolle Rede hob sich ab, von dem was sonst, in diesem Raum alles diskutiert wird. Aber am Selbstverständnis der katholischen Kirche hielt er fest.

Als erstes Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hat Papst Benedikt XVI. am 22. September eine Rede im Deutschen Bundestag gehalten. Darin bezeichnete er es als grundlegende Aufgabe der Politiker, dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren. Letzter Massstab und Grund für ihre Arbeit dürfe nicht „der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein“. Die Politik müsse sich um Gerechtigkeit mühen und so die Grundvoraussetzung für Frieden schaffen.

Im Rückblick auf den Nationalsozialismus sagte der Papst: „Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte.“ Benedikt XVI. rief ferner zu einer Rückbesinnung auf die religiösen Wurzeln Europas auf. Ideen wie die Menschenrechte, die Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Unantastbarkeit Menschenwürde und die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln kämen aus der Überzeugung, dass es einen Schöpfergott gebe.

Die Kultur Europas sei aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Dieser Dreiklang bilde die innere Identität Europas.

Der Papst warnte ferner davor, die Welt nur noch in Kategorien wissenschaftlicher Erkenntnisse zu deuten: „Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall – da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt.“ Das sei eine dramatische Situation, die alle angehe. 

Eine positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen könne, gleiche „den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen“. Deshalb sei es notwendig, die Fenster wieder aufzureissen: „Wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen“.

Die Bundestagsabgeordneten reagierten mit lang anhaltendem Beifall im Stehen auf die Rede. Rund 100 Parlamentarier blieben der Sondersitzung fern, vor allem von der Fraktion der Linkspartei. Sie protestierten damit vor allem gegen die Sexualmoral des Papstes.

Wenn es auch nicht im Vordergrund stand, so machte er in Zwischensätzen keine Abstriche am Selbstverständnis der katholischen Kirche als "universales Heilsinstrument“, das für die Sünder da ist, um ihnen den Weg der Umkehr, der Heilung und des Lebens zu eröffnen. Als Verkünderin des Wortes Gottes und Spenderin der Sakramente verbinde die Kirche mit Christus. Das aber lehrt die Bibel anders: "Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“ (1. Tim. 2,5).



zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben