Immer mehr "Vesperkirchen"
(05. Januar 2011/idea) - In Baden-Württemberg öffnen mehr als 20 „Vesperkirchen“ ihre Tür. Dort erhalten Bedürftige in der kalten Jahreszeit ein preiswertes Mittagessen. „Erfinder“ ist der frühere Stuttgarter Diakoniepfarrer Martin Friz.
„Vesperkirchen“ werden in Baden-Württemberg immer beliebter. Im Winter 1995 liess der frühere Stuttgarter Diakoniepfarrer Martin Friz (1943-2011)zum ersten Mal Bänke aus der Stuttgarter Leonhardskirche entfernen, um vor allem Obdachlosen, Strassenkindern, Prostituierten, Asylbewerbern und überschuldeten Familien an Tischen eine warme Mahlzeit und Gemeinschaft zu bieten. Inzwischen werden auch ärztliche Untersuchungen, Körperpflege und kulturelle Veranstaltungen sowie Andachten angeboten.
Nach Ansicht des württembergischen Landesbischofs Frank Otfried July und des Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks Württemberg, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann (beide Stuttgart), wird damit auch ein Signal gesetzt: „Kirchengemeinden ergreifen Partei für Menschen, die am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen können, weil ihnen das Geld dazu fehlt.“ Nötig seien auch politische Reformen, etwa beim Niedriglohn, bei Hartz IV, bei der Rente und nicht zuletzt bei der Besteuerung von Einkommen, Vermögen und Finanztransaktionen.
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