|
Mount St. Helens und Supervulkane
Vor 30 Jahren explodierte der Vulkan Mount St. Helens. Die gemachten Erkenntnisse brachten den Katastrophismus zurück ins geologische Denken.
Steven A. Austin
Der Ausbruch des Vulkans Mount St. Helens vor 30 Jahren ist ein Wendepunkt im Verständnis vulkanischer Prozesse. Diese Eruption war das herausragende geologische Ereignis im 20. Jahrhundert.
Dabei war der Mount St. Helens nicht das grösste vulkanische Ereignis der vergangenen hundert Jahre, aber dieser Vulkansausbruch lieferte die besten Informationen.
Die Explosion am 18. Mai 1980 überzeugte viele Geologen davon, dass katastrophische Ereignisse wieder ins geologische Denken integriert werden müssen. Die Lektion war offensichtlich: Uniformitarianismus (Entwicklung in vielen kleinen Schritten) und Darwinismus haben die Praxis der Geologie eingeschränkt.
An einem Tag spuckte der Mount St. Helens einen Kubikkilometer Magma an die Erdoberfläche. Anschliessend prägten die Geologen ein neues Wort, um kolossale vulkanische Ereignisse zu beschreiben – Supervulkane. Sie waren nun überzeugt, dass enorme Kammern von Magma, sowohl durch Spalten als auch durch einen Krater, ausbrechen können.
Neuere «Krater-Eruptionen» (so wie der Krakatau 1883 und der Mount St. Helens 1980) warfen und werfen in der Regel weniger als 12 Kubikkilometer Asche aus. Das heisst, diese Krater-Eruptionen sind unbedeutend, verglichen mit früheren Spaltenausbrüchen, wie sie die Supervulkane provozierten. In der Vergangenheit wurden durch Vulkane mehr als 1000 Kubikkilometer Magma ausgeworfen. Solche Riesenvulkane sind über tausendmal grösser als der Mount St. Helens.
Zum Beispiel die Supervulkane in der Eiszeit: Der «Long Valley» in Kalifornien und der «Yellowstone» in Wyoming, die – nimmt man den Rahmen eines biblischen Sintflutmodells – kurz nach der Sintflut geborsten waren. Anders als Krater-Eruptionen handelte es sich hier um sog. «Ring-Spaltenausbrüche». Dabei öffnete sich ein vertikaler, der Asche frei liess. Anschliessend erweiterte sich der Riss zu einem grossen Kreis, der schliesslich in sich zusammenfiel und eine kreisförmige oder elliptische Senkung bildete, eine Caldera.
Der «Crater Lake» in Oregon ist ein sehr kleines Beispiel einer Caldera, die aus einer Ringspalte entstanden ist. «Yellowstone» und «Long Valley» sind die grössten Calderas der Erde. In Nordwest-Italien wurde eine 25 Kilometer mächtige Abfolge von Gesteinen durch den Zusammenstoss der europäischen mit der afrikanischen Kontinentalplatte auf die Seite gedreht. Die seitliche Abfolge der Gesteine zeigt die darunter liegende Struktur einer 12 Kilometer grossen Caldera. Wir können uns dadurch vorstellen, dass ein riesiges Verbindungssystem bestand, das die grössten vulkanischen Systeme der Erde miteinander verband.
Noch grössere Supervulkane sind zu Beginn der globalen Flut ausgebrochen. Diese mächtigen Supervulkane entstanden als «lineare Spalten-Ausbrüche». Das sind parallele Risse, die sich nicht zu Ellipsen oder Kreisen umformten. So zum Beispiel der «Independence Dyke Swarm» in Südkalifornien, der durch die katastrophische Plattentektonik entstand. Dabei öffneten sich viele 160 Kilometer lange und parallele Risse. Diese Reihe linearer Risse erstreckt sich im Süden von Ost-Zentral-Kalifornien bis nach Nieder-Kalifornien.
Derart kolossale Eruptionen haben die «Brushy Basin»-Formation der «Morrison»-Formation in den Rocky Mountains und die Great-Basin-Regionen abgelagert. Heute enthalten sie 16000 Kubikkilometer Asche. Inner-halb der Asche im «Brushy Basin» finden sich Sandsteinformationen, die durch gigantische Schlammströme entstanden sind. Darin wurden auch Dinosaurier zusammengeschwemmt und begraben.
Nicht nur vulkanische Asche, son-dern auch riesige Lavaströme sind auf den Kontinenten und dem Meeres-grund aus den linearen Spalten ausgetreten. Die Columbia-Basalte in Ost-Washington und Oregon stammen von parallelen Schloten im Südosten Washingtons. Lavaströme auf dem Meeresgrund, man nennt sie «Nikolai Greenstone», sind bis zu elf Kilometer dick und wurden durch tektonische Prozesse abgesetzt, um den Süden Alaskas aufzubauen.
Die Eruption des Mount St. Helens vor nunmehr 30 Jahren bietet uns die Gelegenheit, innezuhalten und über die Supervulkane der Vergangenheit nachzudenken. Dabei sehen wir die Gewalt flut-vulkanischer Aktivität förmlich vor uns und dann auch die abnehmende Energie in den Prozessen der vulkanischen Nachflut-Ereignisse.
Der Mount St. Helens ist im Vergleich mit den früheren Giga-Ereignissen etwas ziemlich Gewöhnliches. Doch sein Ausbruch am 18. Mai 1980 hat uns ein Fenster geöffnet zur turbulenten vulkanischen Welt der Vergangenheit. Sie liefert uns eine weitere Bestätigung der biblischen Chronologie und Geschichte einer verhältnismässig jungen Erde, deren Antlitz durch Katastrophen und die globale Tektonik der Flut geformt wurde.
Übersetzung: Hansruedi Stutz
© ICR, Seven A. Austin, Ph. D.: Supervolcanoes and the Mount St. Helens Eruption, Acts & Facts
Der Autor ist Mitarbeiter im Institute for Creation Research im Fachbereich Geologie und Dozent am Christian Heritage College. An der Pennsylvania State University promovierte er im Fach Geologie. Austin ist Experte für Kohlebildung und unterhält am ICR ein entsprechendes Forschungslabor.
Ein ausführlicher Beitrag über den Ausbruch des Mount St. Helens finden Sie hier: www.factum-magazin.ch/wFactum_de/natur/Geologie/2010_06_11_st_helens.php
|
|
 |
© FACTUM ONLINE 2009 Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit
Genehmigung der Redaktion. |
 |
|
|
|
|
|
 |
 |